Bund.dev: Datenaktivistin zeigt, wie Open Data funktionieren kann

Die fünf Pionierkommunen Arnsberg, Bad Berleburg, Menden, Olpe und Soest entwickeln im Rahmen des Smart City Projekts Offene Regionale Datenplattform aktuell auch ein gemeinsames Open Data Portal. Hier sollen Datensätze von den Kommunen – aber auch von Dritten – offen bereitgestellt werden. Solche Datensätze können zum Beispiel die Standorte von Bäumen in einem Stadtgebiet sein oder die Wetterdaten, die durch Sensoren eingefangen werden.

Daten als Open Data bereitzustellen, dazu sind Städte und öffentliche Einrichtungen gesetzlich verpflichtet. Denn die Daten, die von der öffentlichen Hand erhoben werden, gehören im Grundsatz allen Bürgerinnen und Bürgern und können Unternehmen, der Forschung und Nicht-Regierungs-Organisationen als wertvolle Ressource dienen. Geregelt ist diese Verpflichtung im zweiten Open Data Gesetz. Und auch die Art und Weise, wie Daten bereitgestellt werden sollen, ist geregelt. Der Bund hat hierzu im letzten Jahr seine Open Data Strategie vorgelegt.

Allerdings gibt es nicht wenige Digitalaktivistinnen und –aktivisten, Programmiererinnen und Programmierer oder auch Journalistinnen und Journalisten, die mit der Umsetzung von Open Data Gesetz und Strategie unzufrieden sind. Sie stören sich vor allem daran, dass die Daten, die über das Bundesportal govdata.de bereitgestellt werden, keine Programmierschnittstellen (APIs) mitliefern. Mit den Daten von govdata.de, so lautet die Kritik, könne man praktisch nichts anfangen, da ohne die API die Gebrauchsanleitung fehle, mit der man die Daten unproblematisch in neue Anwendungen einbetten kann. Die Dokumentation von Schnittstellen gehört zum absoluten Standard bei allen Programmierarbeiten.

Dass der Bund hier die Erwartungen nicht erfüllt, möglicherweise dadurch Innovationen verhindert und sich nicht an seine eigenen strategischen Vorgaben hält, hat die Netzaktivistin und Berliner Softwareentwicklerin Lilith Wittmann geärgert. Sie ist deshalb aktiv geworden und hat kurzerhand eine Bundesstelle für Open Data gegründet: https://bund.dev/. Hier übernimmt Wittmann nach eigener Aussage die Arbeit des Bundes und stellt unter dem Motto „Wir dokumentieren Deutschland“ die APIs zahlreicher Anwendungen öffentlich bereit. Unter anderem die Schnittstelle der NINA-Warn-App oder die Schnittstelle der Jobsuche-Funktion der Bundesagentur für Arbeit.

Inzwischen hat Wittmanns Fake-Bundesstelle mehr Twitter-Follower als die eigentliche Behörde. Ihre Botschaft ist eindeutig: Open Data kann schnell, unkompliziert und gut nutzbar bereitgestellt werden. Die Aktion ist ein voller Erfolg. Auf der Seite https://github.com/bundesapi tummeln sich bereits zahlreiche Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die nun ebenfalls Schnittstellen-Dokumentationen von Anwendungen des öffentlichen Dienstes einstellen.

Aber gleichzeitig ist bund.dev natürlich auch als eine schallende Ohrfeige für den Open Data Prozess des Bundes und seine Durchsetzung gedacht. Und der Umgang mit der neuen Bundesstelle Open Data und ihrer impliziten Kritik gerät aktuell alles andere als souverän. Statt auf die Aktivisten zuzugehen, kündigte etwa die Bundesagentur für Arbeit an, sie wolle prüfen, wie ihre API besser vor Zugriffen geschützt werden könne.

Bildquelle: Kelly Sikkema bei Unsplash

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