Eine kleine Geschichte des Phänomens Open Source – Teil 1

1984 – eine Jahreszahl, bei der man unweigerlich an Big Brother und den totalitären Überwachungsstaat denken muss, den George Orwell in seinem visionären Roman von 1949 beschrieben hat; 1984: eine Dystopie bestimmt durch unkontrollierbare Technologie, die nicht im Sinne der Menschen, sondern gegen sie eingesetzt wird. Wie es der Zufall will, ist 1984 auch genau das Jahr, in dem der US-amerikanische Programmierer Richard Stallmann die Arbeit am GNU-Project aufnimmt und damit den Grundstein legt für eine Bewegung deren Ziel es ist, genau das zu verhindern, was Orwell als Horrorvision beschworen hatte: die Free Software- bzw. Open Source-Bewegung. Für Stallmann war aber wohl weniger Orwells Roman ausschlaggebend dafür mit dem GNU-Project zu beginnen, als vielmehr die Enttäuschung darüber, dass sich die Welt der Informatik und der Software-Entwicklung über einen Zeitraum von knapp 10 Jahren grundlegend gewandelt hatte. Stallmann, Jahrgang 1953, studierte Physik an der Harvard University und wurde als Mitglied des MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Boston Teil der Hacker-Szene.

Das GNU-Project legte den Grundstein für die Entwicklung der Phänomene Free Software und Open Source und damit für Anwendungen, Programme und Websites, die jeder kennt: z.B. Mozilla, Linux, oder Wikipedia. Um zu verstehen, warum Stallmann dafür 1984 seinen Job am MIT an den Nagel hängte und welche Entwicklung ihn so verärgert hatte, muss man zurückreisen in die Anfänge der Hacker-Bewegung in den 60ern und die der Software-Entwickler-Szene der 70er Jahre, als Menschen wie Bill Gates und Steve Jobs den Silicon Valley Mythos begründeten. In eine Zeit also, in der die Weichen für unsere heutige vernetzte Welt gestellt wurden und in der noch nicht entschieden war, ob Software und Programmiercode Firmen gehört oder uns allen. Was das mit der Frage zu tun hat, ob es für Kommunen in demokratischen Gesellschaften eigentlich angemessen ist, Produkte von Microsoft und Apple zu nutzen, wem denn das Internet gehört, und warum das, was George Orwell beschrieben hat, vielleicht gar nicht mehr so weit entfernt ist, dem widmen sich die weiteren Teile dieser Serie.

Bildquelle: Matthew-T-Rader unsplash

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