Ist Low-Tech das neue High-Tech?

Während wir durch hochauflösende Grafiken und Fotos im Netz immer verwöhnter werden, wird das Internet immer schwerer – und datenlastiger. Für jede Suchanfrage, jede personalisierte Werbung oder jeden Video-Stream in HD-Qualität müssen zahlreiche Daten transferiert werden. Was uns dabei nicht immer bewusst ist: Jeder Datentransfer braucht Energie. Mehr Daten bedeuten also auch einen größeren Stromverbrauch und einen höheren C02-Ausstoß in unsere Umwelt.

Aber was wäre, wenn Nutzer*innen statt personalisierter Werbebanner sehen könnten, über welche Stromquelle die Server einer Website laufen? Damit experimentiert die Website solar.lowtechmagazine.com/de/. Diese Website benötigt bis zu 70 % weniger Daten. Dabei wird auf ein „back-to-basic“ Webdesign gesetzt. Fotos werden auf eine maximal geringe Größe reduziert. Verzichtet wird auf aufwendige Logos und die Seiten bleiben statisch – ihr Aussehen verändert sich nicht. Dadurch ist die Website auch problemlos mit älteren Endgeräten oder geringer Internetverbindung aufrufbar. Gleichzeitig läuft die Seite über Server, die zu 100 % mit Solarenergie betrieben werden – ist das Wetter über einen längeren Zeitraum wolkig, schaltet sich die Seite ab, weil es an Strom fehlt. Ein Regler zeigt an, wie viel Energie noch zur Verfügung steht. Alle Beiträge können jederzeit zum offline-Lesen heruntergeladen werden.

Warum es Sinn macht, über energiearme Websiten nachzudenken? Ein großes Versprechen der Digitalisierung ist die De-Materialisierung. Das bedeutet: Alles, was digital vorliegt, wie etwa Bücher und Zeitungen, muss nicht mehr unter dem Verbrauch natürlicher Ressourcen materiell produziert werden. Ganz so einfach ist es jedoch nicht: Dem Versprechen einer ressourcenschonenden digitalen Zukunft steht der hohe Energie- und Stromverbrauch, der durch die vielen Daten entsteht, entgegen. Erneuerbare Energien als Stromquelle zu nutzen, ist ein Anfang. Doch bei dem heutigen rapiden Wachstum der Datenmengen lohnt es sich auch zu überlegen, wie wir gleichzeitig den Stromverbrauch reduzieren können.

Dass die Idee „low-tech“, also der ressourcenschonenden Technologie, nicht nur Utopie ist, macht das Modeunternehmen organicbasics vor. Sie haben bereits eine low-tech Fassung ihrer Website umgesetzt: lowimpact.organicbasics.com/eur

Ein weiteres spannendes Beispiel ist die Suchmaschine Ecosia, die mit jeder Suche Bäume pflanzt und deren Server mit erneuerbaren Energien betrieben werden www.ecosia.org/

Und wer mehr zum Thema Digitalisierung und Nachhaltigkeit erfahren möchte, kann hier reinlesen: Smarte grüne Welt? Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit. Einfach Probelesen ist übrigens im StadtLABOR in der Marktstraße 20a möglich.

Bildquelle: low-tech magazine by adriana parra

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