Lese-Tipps für den Sommer(urlaub)

Was gibt es Schöneres als an einem sonnigen Tag in einem  Liegestuhl die Beine hochzulegen und zu lesen? Hier kommen zwei Leseempfehlungen aus dem Soest Digital Redaktionsteam, die einen faszinierenden Tiefenblick in Anwendungsfälle von Algorithmen und die Bedeutung von Technologien in Smart Citys geben, der zum Nachdenken und Grübeln anregt. Wer das in seinen Ferien sucht, der hat mit beiden Büchern den perfekten Reisebegleiter.

 

„The Smart Enough City – Putting Technology in its Place to Reclaim Our Urban Future“ – Ben Greens

Was macht eine Stadt zu einer Smart City? Diese Frage stand auch in Soest am Anfang der Entwicklung des neuen städtischen Zukunftsprogramms, der Strategie für die Klimaneutrale Smart City Soest 2030.

Ben Green, Daten-Wissenschaftler des weltberühmten Massachusetts Institute of Technology, kurz MIT, hat sich auch mit der Smart City auseinandergesetzt. Angestoßen durch ein Jahr, dass er in Diensten der Stadt Boston – Stammsitz des MIT – im Amt für Innovation und Technologie verbrachte, veröffentlichte er „The Smart Enough City – Putting Technology in its Place to Reclaim Our Urban Future“. Sein Buch ist dabei vor allem ein Plädoyer für eine sozialere Stadtentwicklung geworden, die die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner ins Zentrum stellt.

Green schreibt dabei nicht aus der Perspektive eines Technik-Skeptikers, der digitale Instrumente ablehnt. Vielmehr nutzt er seine Erfahrungen und sein Fachwissen über Technologie und zeigt auf, wie naiv und unreflektiert viele Städte den Versprechungen und vermeintlichen Vorteilen von digitalen Lösungen für urbane Probleme auf den Leim gehen.

Dieses Phänomen ist auch bekannt als Solutionismus: für jedes Problem wird es schon irgendeine technische Lösung geben. In scharfsinniger und sehr eingängiger Weise demaskiert Ben Green, welche Risiken und absehbaren Folgen eine solche Herangehensweise an die Entwicklung des Lebensraums Stadt haben kann.

Spannend wird das Buch vor allem dadurch, dass es nicht nur beschreibt, was falsch läuft. Vielmehr macht Green konkrete Vorschläge, wie Städte Technologien so einsetzen und bewerten können, dass ihr Einsatz oder auch ihr nicht-Einsatz die Stadt gerechter, demokratischer, verantwortungsbewusster, lebenswerter macht.

„The Smart Enough City“ ist ein faszinierender Tiefenblick, der zum Nachdenken und Grübeln anregt. Wer das in seinen Ferien sucht, der hat mit Ben Greens Buch den perfekten Reisebegleiter.

 

“Weapons of Math Destruction” – Kathy O’Neils

Wollen wir in einer Welt leben, in der unser Ernährungsverhalten unsere Chancen auf einen Kredit beeinflusst? Das Verhalten von Schülerinnen und Schülern entscheidet, ob Lehrkräfte gefeuert werden? Die Straftaten des Vaters als Indikator für die Rückfallquote eines Sträflings herangezogen werden?

Das sind nur ein paar Beispiele aus Kathy O’Neils Buch “Weapons of Math Destruction” dafür, wie bereits heute Algorithmen in den USA eingesetzt werden. Die Autorin gibt einen Überblick darüber, wie Algorithmen und mathematische Modelle funktionieren und webt dabei Anekdoten und Fallstudien ein, um die Auswirkungen auf Menschen und ihren Alltag deutlich zu machen. Diese Kombination aus Erklärung und Geschichtenerzählen macht Leserinnen und Leser komplexe und kontroverse Konzepte aus der Welt der Algorithmen, Deep Learning und Big Data verständlich und greifbar.

Die Grundannahme O’Neils: „Modelle sind in der Mathematik eingebettete Meinungen“. Bedeutet, mathematische Formeln sind zwar im Grunde neutral, ihre praktische Anwendung, um Probleme zu lösen, können jedoch wirtschaftliche und politische Interessen verfolgen und haben nachhaltende Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen – meist auf die Schwächsten unserer Gesellschaft. Die Autorin versucht deutlich zu machen, dass die Verwendung von Modellen und Algorithmen, die aus (zufälligen) Korrelationen Kausalitäten machen, nicht nur Einzelne bedroht, sondern auch unsere Demokratie. Denn sie verstärken Stereotype und spalten unsere Gesellschaft.

O’Neil hat einen Harvard-Doktor in Mathematik und war aktiv an der Occupy-Bewegung beteiligt.

Und wer mit leichtem Gepäck unterwegs sein will, der muss das Buch auch nicht zwingend erwerben. Die Bibliothek des MIT hat den gesamten Text als open access Edition digital veröffentlicht: https://smartenoughcity.mitpress.mit.edu/

Bildquelle: Stephan Siegert

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