Eine kleine Geschichte des Phänomens Open Source Teil 2

Heute ist das Silicon Valley, also jener Landstrich in der San Francisco Bay Area rund um die Millionenstadt San Jose und die Universitäten Stanford und Berkeley, Synonym für die Techindustrie und die IT-Innovationen, die das Leben weltweit verändert haben und weiter verändern. Von ihren Zentralen in Palo Alto, Cupertino oder Mountain View aus stecken die gerade mal gut 250.000 IT-Fachleute des Valley die Abermilliarden an Risikokapital, die Investoren aus der ganzen Welt hier platziert haben, in die Weiterentwicklung von Suchmaschinen, Smartphones, Freundschaftsnetzwerken und Co. Es ist die Mischung aus Geld, Intelligenz und Wagemut, die das Valley in diese einmalige, unglaublich mächtige Position gebracht hat, so sagt man. Die Firmen des Silicon Valley haben mit diesem Rezept den Kapitalismus neu erfunden und die klassischen Industrien in Sachen Börsenwert inzwischen weit hinter sich gelassen. 

Seit Jahren haben wir uns an diese Erzählung gewöhnt und Google, Facebook, Apple, etc. als die alles durchdringenden, übermächtigen, undurchsichtigen Finanzriesen akzeptiert. Alles in allem ist das eine geradezu bizarre Entwicklung, wenn man bedenkt, wo die Ursprünge der Erzählung liegen: nämlich bei ein paar Outsidern und Freaks, die während der 68er-Bewegung nach Kalifornien kamen, weil sie in der klassischen Unternehmenswelt an der damals die IT-Welt dominierenden US-Westküste keine Chance hatten. Viele von diesen Glücksuchern ritten die Welle der Hippie-Bewegung voll mit – lebten in Kommunen und bauten ihr eigenes Essen an, experimentierten mit bewusstseinserweiternden Drogen und testeten neue Lebensentwürfe. An der Universität in Berkeley konzentrierten sich viele Köpfe, die die IT-Industrie als festen Teil der politischen Bewegung der 68er und dem Protest gegen das Establishment ansahen. Der subversive Geist dieser Jahre zeigt sich beispielhaft in Menschen wie dem späteren Apple-Gründer Steve Jobs, der vom Computer als spirituellem Medium sprach und seine ersten Erfolge mit Maschinen feierte, die Telefonleitungen vorgaukelten, der Anrufer hätte aufgelegt, damit man anschließend illegal gebührenfrei telefonieren konnte.

Natürlich gab es in der Hippie-Kultur auch zahllose Technologie-Ablehner*innen; aber eben auch diejenigen Utopisten, die in der Nutzbarmachung technischer Möglichkeiten die Zukunft der Menschheit sahen. IT-Technik war für sie das Mittel, um dem Individuum mehr Mitsprache zu geben: die Weiterentwicklung des Computers als ein demokratisches, partizipatives Projekt. 

Der Traum vom Computer als emanzipatorischem Werkzeug lebte an Orten wie der Midpensinsula Free University (MFU) besonders intensiv. In dieser 1966 gegründeten nicht-staatlichen Hochschule waren die Kurse quasi basisdemokratisch organisiert. Jeder war Lehrer*in und Schüler*in gleichzeitig. Kurse in Kerzenziehen und Marxismus standen hier gleichberechtigt neben Programmieren und Experimenten mit den neusten elektrischen Kopiergeräten. Gebannt verfolgten viele der hier aktiven Computer-Pioniere die Mondlandung 1969. In ihr sahen sie eine erste Einlösung dessen, wovon sie überzeugt waren: der technische Fortschritt würde den Menschen endlich befreien. Computer-Technologie hatte den Mensch auf den Mond gebracht. Wohin sollte es erst führen, so der irre Gedanke einiger von ihnen, wenn irgendwann jeder Mensch einen eigenen Computer hätte...

Bildquelle: Besuch Smart Country_Fabian Wahl

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