Skip to main content
Porträtfoto von Juliane Rogge

Bildquelle: stadtLABOR Soest

„Das ist schon ein Herzensprojekt der gesamten Community.” – Soester Gesichter

Erstellt am: 30.04.2026

Digitalisierung hat viele Gesichter – Soest auch. In unserer Reihe „Soester Gesichter“ sprechen wir mit Personen, die in Soest leben oder arbeiten und erfahren, was aktuelle Themen und der digitale Wandel mit ihrem (Berufs-)Leben machen. Wir haben uns mit Dave und Timo von der Soestgaming Community unterhalten, die weit über die Stadtgrenzen hinaus aktiv ist und mit vollem Engagement das Projekt ‚Soest in Minecraft‘ voranbringt.

Dave, Timo, schön, dass ihr da seid. Mögt ihr euch zum Einstieg kurz vorstellen?

Timo: Ja, ich bin der Timo, bin seit Neuestem jetzt 32, wuhu! (lacht) Ich komme aus Hamburg, lebe auch da und arbeite dort als Wohngeldsachbearbeiter. Und ich bin mehr oder weniger über Zufälle zur Soestgaming Community gekommen und unterstütze da als Moderator.

Dave: Ich bin Dave. Hallo erstmal. Ich bin 36, gebürtig aus Hamm und arbeite als Sales Product Manager bei einem IT-Distributor hier im Kreis Soest. Ich bin Gründer und Owner von Soestgaming.

Wie seid ihr zu Soestgaming gekommen?

Dave: Gaming begleitet mich schon seit Kindheitstagen und so habe ich 2015 Soestgaming gegründet. Ich hab mir damals gedacht: Wie wäre es denn eigentlich, wenn wir auf eine Art und Weise was aufbauen oder Leute zusammenbringen, die sich online miteinander vernetzen können auch über Ländergrenzen hinweg. Ich habe das so nach und nach aufgebaut und irgendwann kam dann das Streaming dazu. Dann kamen Leute dazu, die sich da auch reingefuchst haben und so ist das Team gewachsen. Das hat sich natürlich auch stark gewandelt im Laufe der Jahre, ist aber eine total wichtige Säule, auf die ich mich maximal verlassen kann. Zu Timo z. B.: mit Timo habe ich einen super Draht, weil wir einfach gut miteinander auskommen, wir harmonieren super, wir arbeiten gut miteinander zusammen.

Timo: Ich bin über Twitch auf Soestgaming aufmerksam geworden, da Teile der Community auch die Spiele spielen, die ich gerne spiele. Dann wurde ich von den Leuten auf Discord eingeladen, damit wir zusammenspielen können und so kam der Stein vor zwei Jahren ins Rollen. Tatsächlich tue ich mich manchmal schwer mit Menschen, da war aber alles völlig entspannt und das ist inzwischen wie so eine kleine Familie für mich. Manchmal spielen wir auch gar nicht, sondern reden neben Alltagssachen einfach miteinander, ich kann da komplett abschalten.

Könnt ihr Soestgaming kurz beschreiben?

Dave: Ja, das ist relativ einfach zu erklären: Soestgaming ist im Kern eine Community mit vier Säulen: Gaming, Streaming, Events und Racing League. Und mittlerweile sind wir über 1000 Mitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir haben es uns einfach zur Aufgabe gemacht, Leute, die im Bereich Gaming unterwegs sind, miteinander zu vernetzen. Es gibt viele Leute, die einfach nur ein bisschen zocken oder connecten wollen, da haben wir an den meisten Abenden 12 bis 25 Leute im Channel, die sich einfach austauschen.

Wir haben aber auch über 80 Streamer im Netzwerk, die sich gegenseitig unterstützen. Da sind auch einige sehr aktiv und die identifizieren sich auch mit der Community, was wir dann wiederum natürlich unterstützen wollen.

Dann haben wir natürlich noch viele verschiedene Events, die wir machen, nicht nur im Gaming sondern auch Fußballturniere zum Beispiel. Ursprünglich haben wir zusammen FIFA gespielt und dann unsere eigene Mannschaft gegründet. Jetzt nehmen wir an echten Hobby-Turnieren teil, also nicht im Spiel, da kommen die Leute von überall her, aus Hamburg, Leipzig, Straubingen, Köln, Bonn – das ist völlig wild.

Ja, und dann haben wir natürlich noch die Racing Liga, die jetzt seit gut eineinhalb Jahren am Start ist, wo wir alleine auch jetzt um die 210 Mitglieder haben und über 80 Fahrer. Da sind wir halt im kompetitiven Bereich im Simulations-Racing unterwegs.

Wir heben uns auch ab von anderen Communities, die irgendwann sagen, sie wollen keine neuen Mitglieder mehr. Unser USP ist, dass die Leute halt reinkommen, egal wer es ist im Endeffekt und dass die Leute grundlegend sofort mit drin sind.

Welche Aufgaben oder Rolle habt ihr innerhalb der Community?

Timo: Also am Anfang war eigentlich nur geplant, dass ich das Minecraft-Projekt so ein bisschen manage, weil das eines meiner Lieblingsspiele ist. Dave und Nicky sind dann auch auf meine Ideen mit eingegangen und jetzt versuche ich, den beiden so gut es geht was abzunehmen, auch was die Kommunikation in der Community angeht. Und inzwischen kommentieren wir auch unsere Racing Liga zusammen und kriegen da immer gutes Feedback.

Dave: Ja, kurz zu Nicky: Das ist meine bessere Hälfte, die gute Nicole, quasi mehr als meine rechte Hand, sie ist jetzt auch schon knapp fünf Jahre dabei. Sie hat Anfangs bei unseren Streams und unserem Event ‘COnline’ während Corona unterstützt und ist mittlerweile Teil des Kernteams, weil sie von Anfang an viel Zeit und Arbeit investiert hat. Heute sind Nicky und auch Timo beide ‘Mods’, das sind bei uns aber eher Community Manager als reine Moderationen. Ich bin Owner. Nicky ist Co-Ownerin von dem ganzen Laden jetzt. Dann haben wir jetzt nur noch Mods im Endeffekt, die uns aktiv unterstützen.

Wie würdet ihr unser gemeinsames Projekt ‘Soest in Minecraft’ beschreiben?

Dave: Wir haben uns ja auf dem Digital Innovation Day im Schlachthof kennengelernt, wo wir ins Gespräch kamen und ihr habt gesagt, “Wir haben Soest in Minecraft aus Geodaten, könnt ihr euch das mal angucken?” Ich hab mir das angeguckt und mich dann damals auch relativ weit aus dem Fenster gelehnt und habe gesagt: “Ich glaube, das können wir besser.” Und als ich dann nach Hause gefahren bin, habe ich mir gedacht: Puh! Schwierig, was ich da erzählt habe. (lacht)

Aber gut, challenge accepted und so musste ich erst mal checken, ob wir überhaupt die Leute dafür zusammenbekommen. Die Langzeitmotivation bei sowas ist eine Riesenherausforderung. Gleichzeitig sehe ich da ganz viel Leidenschaft bei unseren Leuten.

Timo: Genau, es ging ja damit los, dass ihr vom stadtLABOR Kontakt zu uns aufgenommen habt mit der Frage, ob man eine Minecraft-Welt mit Geodaten erstellen kann. Nach einigen Herausforderungen am Anfang konnten wir aber eine gute Basiskarte mit einem Drittanbieter-Tool erstellen, in dem Soest schon deutlicher erkennbar war. Ja und dann haben wir uns mit einem Bautrupp von knapp 20 Leuten daran gemacht, die einzelnen Gebäude in der Soester Innenstadt detailgetreu nachzubauen. Wir arbeiten mit Google Streetview, mit Google Maps, manche Leute laufen hier durch die Stadt und machen Fotos.

Da gab es in der Gruppe natürlich immer mal Fluktuation, aber jetzt sind wir gerade dabei, den Bautrupp neu hochzuziehen und wieder mehr Fortschritt zu generieren. Das ist natürlich ein Riesenaufwand – das sind knapp 6000 Gebäude in der Map – aber wir haben um den Teich und die Stadtbücherei schon viel fertig, das Rathaus, die Kirchen auch, das Marienkrankenhaus und so weiter.

Dave hatte dann die Idee, dass wir das Bauen ein bisschen strukturieren und so haben wir angefangen vom Bahnhof aus Richtung Süden zu bauen; den Bahnhof, das City Center und sogar die Niere sind richtig gut geworden.

Das ist schon ein Herzensprojekt der gesamten Community, zu dem wir tolles Feedback auch von Leuten kriegen, die kein Minecraft spielen. Und für mich persönlich ist es ein Prestigeobjekt. Das ist, glaube ich, eine einmalige Sache, dass eine Gaming Community mit einer Stadt so zusammenarbeitet.

Wir möchten natürlich, dass es so nah wie möglich an der Perfektion ist, damit man später auch damit arbeiten kann. Unsere Leute gehen da wirklich mit viel Herzblut ran und inzwischen wird unser Baufortschritt auch regelmäßig gestreamt. So kommen auch viele andere drauf. Und für mich als Hamburger ist es cool zu sehen, wie viel ich inzwischen wiedererkenne, wenn ich hier durch die Straßen fahre. Da denke ich immer: “Das kenne ich und das habe ich mitgebaut und das steht noch an!”

Dave: Und das Projekt soll ja auch noch nächstes Jahr weitergehen. Wir sind ja dieses Jahr noch in einigen Themen unterwegs und können noch einiges zeigen und wie gesagt, für mich persönlich ist das auch eine super Sache: Diese Verbindung von Stadt und Geschichte mit der digitalen Welt, das ist eine echte Chance. Und ich feiere das, dass wir da so eine Möglichkeit haben, dass sich daraus immer noch mehr entwickelt. Ob das jetzt beim School’s Out Day ist, bei JuKiz in Bad Sassendorf, beim Hansetag (Schlachthof, 18.03.2026). Irgendwie kommen da immer neue Dinge zusammen und Leute kommen mit Ideen und Fragen auf uns zu, wie neulich das Burghofmuseum zum Beispiel.

In eurem Workshop am Hansetag haben Schülerinnen und Schüler den mittelalterlichen Markplatz in eurer Minecraft-Karte nachgebaut. Wie hat das geklappt, seid ihr zufrieden?

Dave: Ja, ich war überrascht über das Ergebnis. Ich habe nicht so viel Baufortschritt erwartet, in der kurzen Zeit. Einige Schüler hatten schon etwas Erfahrung in Minecraft, andere gar nicht, aber alles in allem sind wir sehr zufrieden. Für uns war es ja auch ein Testlauf. Auch die Vorbereitung des Baubereichs hat gut geklappt, so dass die Kids da ihrer Kreativität dann freien Spielraum lassen konnten. Ich glaube, das haben wir wunderbar, damit erreichen können. Jetzt haben wir auf jeden Fall Hunger auf mehr!

Timo, eine letzte Frage an dich: Wo siehst du Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen den Hansestädten Hamburg und Soest?

Timo: Vergleichen ist schwierig. Dadurch, dass Hamburg ja schon als Stadtstaat ganz anders aufgebaut ist mit den sieben Bezirken, die alle ihr eigenes Ding machen. Wenn ich es jetzt mal runterbrechen würde auf Harburg, wo ich herkomme, da stehen auch viele alte Gebäude, aber Hamburg insgesamt versucht natürlich, eine Weltstadt zu sein. Das versucht man hier in Soest glaube ich nicht. Soest ist für mich deutlich entspannter.

Und ich habe so das Gefühl, dass man die Leute halt ganz anders abholen kann und möchte, z. B. durch sowas wie das stadtLABOR. Hamburg macht einfach sehr, sehr viel, aber keiner weiß es – und ich kriege das ja mit, dadurch, dass ich in der Verwaltung bin. Es wird nicht so auf die Leute zugegangen. Aber diese Vergleiche zu ziehen ist vielleicht auch etwas unfair, weil Hamburg und Soest ganz andere Grundlagen haben.

Was ich halt hier neu kennengelernt habe, ist die Kirmes, das ist für mich ein großer Unterschied. Eine Kirmes, die sich durch die komplette Altstadt zieht, ist schon stark. In Hamburg kenne ich nur den Dom, da ist immer alles am selben Platz. Hier in Soest kann man die Stadt kennenlernen, während man eigentlich nur zum Spaß haben da ist. Wenn man so ein Event mit interaktiven Säulen verbinden kann, wäre das schon sehr, sehr cool, das kann ich mir in Hamburg gar nicht vorstellen.

Ich glaube, in Hamburg gibt es auch nicht so eine Offenheit für Digitalisierung wie hier. Allein schon, dass man hier mit einer Gaming Community zusammenarbeitet. Sowas habe ich noch nie irgendwo so erlebt in der Form.

Unsere Frage zum Schluss: Dave, wie stellst du dir das Soest der Zukunft vor?

Dave: Ich glaube, dass Soest an sich ein unfassbar großes Potenzial mitbringt, was man so machen kann. Viele Menschen sind hier auch total digitalaffin, das merkt man. Die weiter zu fördern und die Leute einzubinden wäre super.

Was ich mir persönlich so ein bisschen mehr wünschen würde, ist der Glasfaserausbau. Das ist eine wichtige Grundlage, weil die Datenmengen in Zukunft deutlich, deutlich steigen werden.

Damit bieten sich natürlich auch deutlich mehr Möglichkeiten, das für smarte Projekte zu verwenden, ob das dann Leitsysteme in der City sind, interaktive Tafeln an interessanten Orten mit wichtigen Informationen etc.

Gerade zu historischen Gebäuden wäre das doch eine super Sache. Wann wurden sie erbaut? Wie haben sie sich entwickelt? Gerade für Touristik ein super Thema, dass man sich mal ein bisschen informieren kann. Ich glaube, das ist halt eine super Möglichkeit, wie wir Vergangenheit und Historie mit der Zukunft verbinden können.

Das Gespräch führte Helge Ernst im April 2026.