Bunte Häuschen für fleißige Wildbienen
Erstellt am: 24.09.2026
An zwei Samstagen wurde im stadtLABOR ausnahmsweise einmal ganz analog getüftelt: Statt digitaler Werkzeuge standen Ton, Holz, Schrauben und Schleifpapier auf den Tischen. Kinder und Erwachsene gestalteten gemeinsam zwölf bunte Nisthilfen für Wildbienen. Inzwischen haben die kleinen Häuschen ihren Platz im Soester Rosengarten– und können dort beim nächsten Spaziergang entdeckt werden.
Erst Ton, dann Holz: Nisthilfen entstehen
Viele Wildbienenarten nisten im Boden, andere nutzen kleine vorhandene Hohlräume – zum Beispiel in Pflanzenstängeln, Totholz oder Mauerritzen. Genau für einige dieser hohlraumbewohnenden Arten können künstliche Nisthilfen zusätzliche Nistmöglichkeiten schaffen.
Unter Anleitung von Brinja Steinweg, Tischlerin und Produktdesignerin von „Holzfreundin“, machten sich die Teilnehmenden selbst ans Werk. Beim ersten Termin im August entstanden aus Ton individuell gestaltete Wildbienensteine mit unterschiedlich großen Nistgängen. Anschließend wurden die Stücke getrocknet, gebrannt und glasiert.
Drei Wochen später ging es mit Holz weiter: Es wurde geschraubt, geschliffen und montiert, bis jeder Wildbienenstein seinen passenden schützenden Holzrahmen erhalten hatte und die Freiräume mit Röhrchen bestückt wurden.
Mit etwas Glück beginnt im Frühling nächsten Jahres das eigentliche Leben in den kleinen Häuschen: Wildbienenweibchen können die Hohlräume als Nistplatz nutzen.
12 Hingucker im Rosengarten
Zum Abschluss des zweiten Workshops wurden deshalb alle zwölf Häuschen in einen Bollerwagen gepackt und gemeinsam zu ihrem neuen Standort gebracht. Im Rosengarten suchte die Gruppe geeignete Plätze aus und befestigte die Nisthilfen schonend an ausgewählten Bäumen. Dort sind die bunten Häuschen nun gut sichtbar.
Damit ist der Workshop mehr als eine kreative Bastelaktion: Die Nisthilfen schaffen zusätzliche Nistmöglichkeiten für bestimmte Wildbienenarten und machen gleichzeitig mitten in der Stadt auf die Bedeutung von Insekten und ihren Lebensräumen aufmerksam. Also: Beim nächsten Spaziergang über den Wall die Augen offenhalten! Vielleicht lassen sich im kommenden Frühjahr schon die ersten Bewohner beim Ein- und Ausfliegen beobachten.
…ein bisschen digital wurde es dann doch
Ganz ohne Digitalisierung geht es im stadtLABOR natürlich nicht. Der Workshop schlug deshalb zugleich eine Brücke zu Börde beeSmart und zum Soester Smart-City-Dashboard.
Dort werden Daten aus smarten Bienenstöcken von Imkerinnen und Imkern aus der Region sichtbar gemacht. Sensoren erfassen unter anderem das Gewicht der Bienenstöcke. So lässt sich beispielsweise beobachten, wie sich das Gewicht im Laufe der Saison verändert – Daten, die Hinweise auf die Aktivität der Bienenvölker sowie auf eingetragene Vorräte und die Honigproduktion geben können.
Damit treffen zwei ganz unterschiedliche Perspektiven aufeinander: Während die neuen Nisthilfen im Rosengarten Lebensräume für wildlebende, überwiegend solitär lebende Bienenarten sichtbar machen, liefern die vernetzten Honigbienenstöcke Daten über das Leben mehrerer Bienenvölker.
Analoges Handwerk, Artenschutz und digitale Stadtentwicklung kommen so zusammen – und zeigen auf ganz unterschiedliche Weise, wie viel spannendes Leben sich direkt vor unserer Haustür abspielt.

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